2023-06-07 #2

Acheng, der in Singapur promoviert, kehrte dieses Jahr nach der Lockerung der Pandemiebeschränkungen endlich nach China zurück. Sein zweitägiger Aufenthalt bei mir zu Hause war das vierte Ziel seiner Rückreise.
Es war das erste Mal, dass ich ihn seit dem College-Abschluss traf.
Also gab ich Acheng, wie versprochen (mit drei Jahren Verspätung), das Buch „Hier ist China“ zurück, das er mir vor seiner Abreise ins Ausland per Post geliehen hatte.
Da Acheng einen Flug am frühen Morgen um 6:40 Uhr in Pudong gebucht hatte, 69 km von meinem Zuhause entfernt, mieteten wir ein Auto. Nach einer durchgemachten Nacht brachte er sich selbst im Eiltempo zum Flughafen (und ich fuhr zurück, um mich selbst nach Hause zu bringen).
Nachdem ich Acheng verabschiedet hatte, dachte ich an die Tage vor dem Abschluss zurück, an denen wir fast durchweg voller Tatendrang mit Freunden über die Zukunft sprachen: der Berufung der Alma Mater folgen, elegant und tüchtig in alle Himmelsrichtungen wirken, die weite Erde erkunden, über Berge und Gewässer – ein Licht für die Welt sein.
Doch wer hätte gedacht, dass wir im Nu so weit voneinander entfernt sein würden, und dass die Zeit bis zum Wiedersehen so viel länger sein würde als die naive Verabredung vor dem Abschluss.
(Zum Glück habe ich kein Masterstudium gemacht, also bin ich lange nach dem Abschluss noch jung (durchgestrichen)) Zum Glück war es nicht so lange, dass die Erinnerungen sich verzerrt hätten oder die Freundschaft fremd und distanziert geworden wäre. Also können wir immer noch über die Zukunft sprechen und uns für nächstes Jahr verabreden.
Als ich in einer weiteren durchgemachten Nacht am Vorabend des Abschlusses versuchte, mein Studentenleben zusammenzufassen, dachte ich an Heisenbergs Einsicht über das Skifahren (das Leben) aus dem Theaterstück „Kopenhagen“: „Turn right, turn left, or think about it and die.“ Daraufhin sagte ich voraus: „Das kommende Leben wird, wie ich ahne, immer noch voller Gelegenheiten für gutartige Fehler und Augenblicke sein, in denen man gar keine Fehler macht. Der Prozess wird nicht leicht oder angenehm sein, aber absolut fesselnd.“
Habe ich damals, als ich diese Worte schrieb, das Gewicht der Redewendungen „unermüdlich voranschreiten“ und „abends wachsam wie vor einer Gefahr“ bedacht? Denke ich heute, wo ich mich für eine Unternehmensgründung entschieden habe, immer noch so? 😏
Abschlussgedanken: https://blog.thrimbda.com/2018/06/21/%E4%B8%BA%E4%B8%96%E7%95%8C%E4%B9%8B%E5%85%89/
Bildunterschrift:
- Acheng, der fröhlich Kaffeebohnen mahlt.
- Ein Jahr nach dem Abschluss entschied Acheng, im Ausland zu studieren, und lieh mir ein Buch, sodass wir uns zwangsläufig wiedersehen mussten.
- 🧩 Ein Lebenssplitter